Wegwerfbären, Überschussbären in kleinen Zwingern, Gruben und Zirkuswagen
Obwohl es nicht mehr in allen Wäldern Europas Bären gibt, gibt es doch einen Überschuss an
Bären. Auch in Deutschland! Aus kommerziellen Gründen werden diese Tiere in Zoos
und Tierparks gezüchtet, denn Bärenbabys lassen die Kassen klingeln. Oftmals noch
unter mittelalterlichen Bedingungen gehalten, sind sie wegen der einfachen
Zuchtmöglichkeiten und dem putzigen Aussehen in den ersten Jahren Besuchermagneten.
Allerdings werden Bärenbabys im Interesse einer jährlichen Zucht auch oft schon
im Alter von einem halben Jahr abgegeben. Diese Babys landen nicht selten in
Zirkussen, denn dort fängt das Training mit wenigen Lebensmonaten an. Ist
der Bär zirkustauglich, beginnt eine lange Leidenszeit in einem kleinen Zirkuswagen.
Selbst wenn die vorgeschriebenen Zirkusleitlinien, die Größe der Behausung, des Auslaufs
und des Badebeckens vorgeben, eingehalten werden, ist die Haltung auf so wenig Platz
lächerlich. Meist werden aber nicht einmal die Leitlinien eingehalten. Zudem muss
ein Bär Kunststücke vorführen, die seinen natürlichen Bewegungsabläufen widersprechen.
Seine Freizeit verbringt er anschließend auf wenigen Quadratmetern im Zirkuswagen.
Mangelnde Bewegungsmöglichkeiten – ein Bär nutzt in freier Wildbahn ca. 500 km² -
zwingen das Tier als Ausgleich hin- und herzulaufen (soweit das möglich ist) oder
auf der Stelle zu springen. Das führt wiederum zu körperlichen Verschleißerscheinungen.
Ist er untauglich, bleibt ihm eventuell eine lebenslange schlechte Alternative in
einem kleinen Zwinger oder er landet beim Schlachter. Die meisten Zwinger
sind immer noch mit Betonboden ausgestattet, da dieser sich leichter reinigen lässt.
Ein zwei Baumstämme, wenn überhaupt, und ein Autoreifen sollen den Bären bei Laune halten,
ihm Beschäftigung bieten. 35 Jahre lang!
Aber auch die Haltung in Gruben, eine Überlieferung aus der Zeit des Römischen
Reiches, ist heute noch vorzufinden. Bis heute gibt es noch Bären, die in Burg- und
Festungsgräben vegetieren. Auch in Deutschland! Eine der bekanntesten Grubenhaltung
Europas ist der Berner Bärengraben, der im 13. Jahrhundert errichtet wurde. Auch wenn
es seither einige Verbesserungen gab, die Bären sehen nach wie vor nur ein Stück Himmel,
wenn sie nach oben schauen.
Noch vor einigen Jahren wurden in Deutschland zahlreiche Bären geschlachtet
und verspeist. Als putzige Bären hatten sie ihre Schuldigkeit getan, jetzt konnte man
noch einmal an Gourmetrestaurants gut verkaufen. Ganz vorbei ist die Zeit der
Bärenschlachterei allerdings immer noch nicht. Mit Wissen der Behörden übrigens.
Erst seitdem die Kontrollen durch die zuständigen Behörden etwas verschärft und
Zuchtverbote ausgesprochen wurden, hat sich die Situation etwas verbessert. Es
werden nun zwar nicht mehr so viele Bären gezüchtet, doch aus der Zeit der
unkontrollierten kommerziellen Zucht gibt es ein Erbe: einen
Bärenüberschuss – Überschussbären.
Durch unsere rege Tierschutz- und Aufklärungsarbeit haben wir dazu beitragen können,
die Nachzucht in den deutschen Zoos auf ein Minimum zu senken. Die Zuchtverantwortlichen
in Europa kontrollieren nun, ob sich Zucht mit den Haltungsbedingungen vereinbaren lassen.
Schwerpunkt unserer Arbeit wird es weiterhin sein, mittelalterliche Bärenanlagen wir
winzige Käfige, Bärengruben und die Haltung in Zirkussen verbieten zu lassen.